Blockheizkraftwerke von - Klimaschutz rentabel

BHKW MEPHISTO in drei Dachheizzentralen in Berlin

BHKW des Monats - Energie & Management, 15.11.2001

entnommen aus: Verweis auf andere Site  Energie & Management, 15.11.2001, von Jan Mühlstein
Bett-Geflüster
Im denkmalgeschützten Mietwohnensemble der Genossenschaft Bremer Höhe am Prenzlauer Berg in Berlin hat die Verweis auf andere Site  Berliner Energieagentur in einer Dach-Heizzentrale ein 18-kW-Blockheizkraftwerk der KraftWerK aus Hannover direkt über einem Schlafzimmer installiert. Wenn alle drei Wohnblöcke saniert und wieder bezogen sind, sollen insgesamt sechs BHKW-Module und drei Brennwertkessel die Hausbewohner leise, preiswert und ökologisch mit Wärme und Strom versorgen....

Objektdaten

 

Die anlage auf einen Blick

...Die drei 1913 mit rotem Klinker in Blockrandbebauung erricheten Gebäude hat die von Mietern gegründete Wohnungsbaugenossenschaft Bremer Höhe übernommen, die sie mit Fördermitteln des Berliner Senats abschnittsweise in Eigenregie saniert. In dem Wohnkomplex werden auf 32 400 m² knapp 500 Wohnungen und 16 gewerbliche Objekte - darunter ein Kindergarten - entstehen.
 Modellhaft ist nicht nur die genossenschaftliche Beteiligung der Mieter an der Sanierung, sondern auch der Weg, der bei der Energieversorgung der Gebäude eingeschlagen wurde. Diese wurde nach dem vom Berliner Senator für Stadtentwicklung neu entwickelten Energiedienstleistungsstandard B.E.ST., der einen standardisierten Leistungskatalog, einen vertraglichen Rahmen und die Ausschreibungsbedingungen festlegt, an einen Contractor vergeben.
 In einer bundesweiten beschränkten Ausschreibung setzte sich die Berliner Energieagentur mit einem Kraft-Wärme-Kopplungskonzept durch, das im ersten Bauabschnitt bereits umgesetzt wurde. In der Dachheizzentrale des ersten nach der Sanierung wiederbewohnten Blocks ist - neben einem 600-kW-Brennwert-Gaskessel des niederländischen Kesselherstellers Remeha aus Apeldoorn - seit dem 15. September ein BHKW-Modul in Betrieb, das 18 kW elektrischer und 42 kW thermischer Leistung hat.
 Lieferant des Mephisto G18 ist die noch recht junge KraftWerK dezentrale Energiesysteme GbR aus Hannover. Für das mit einem Ford- Industrie-Gasmotor und einem wassergekühlten Weier-Asynchrongenerator ausgerüstete Kompakt-BHKW sprach die integrierte Brennwertnutzung durch einen thermodynamisch optimierten Abgaswärmetauscher aus Aluminium-Silizium-Guss, mit der bei einem elektrischen Wirkungsgrad von 31 Prozent ein - auf den unteren Heizwert bezogener - Brennstoffnutzungsgrad von über 100 Prozent erreicht wird. Ein Drei- Wege-Katalysator begrenzt die Abgasemissionen, so dass die halbierten Grenzwerte der TA Luft unterschritten werden. Überzeugend ist auch die stabile, 80 mm starke thermoakustische Vollkapselung des Aggregats, die den Schallpegel auf unter 55 dB(A) nach DIN 45635 Tl begrenzt. Damit sind die Motoren- geräusche in dem unmittelbar unter der Heizzentrale liegenden Schlafzimmer einer Mietwohnung nicht mehr wahrnehmbar.
 Dass auch der BHKW-Betreiber keine schlaflosen Nächte verbringen muss, dafür sorgt ein langfristiger Wartungsvertrag, mit dem der Lieferant eine nicht nur auf wenige Jahre begrenzte Gewährleistung übernommmen hat. Der Betriebssicherheit des BHKW dient auch eine komfortable Steuerung, bei der über Modem die Fernüberwachung und -steuerung sichergestellt sind. Die Anlagendaten und Störmeldungen werden sowohl an die Zentrale der Berliner Ener- gieagentur, als auch an die für die Heizanlage zuständige Servicefirma übertragen, die über eine 24-Stunden Rufbereitschaft verfügt. Zusätzlich ist auch das vom Hersteller mit der BHKW- Wartung beauftragte Unternehmen aufgeschaltet.
 Das abschließende Argument für das KWK-Aggregat ist seine gleitende Leistungsregelung. Damit ist - in Verbindung mit einem ausreichend dimensionierten Wärmespeicher - sichergestellt, dass der gesamte eigenerzeugte Strom in dem Wohngebäude verbraucht wird. Eine Einspeisung in das Netz der Bewag ist wirtschaftlich nicht interessant, woran nach Einschätzung der Energieagentur auch der im geplanten KWK-Gesetz vorgesehene Einspeisebonus nichts ändern wird. Der bei vollständiger Nutzung der Wohnungen prognostizierte Strom- und Wärmebedarf lässt aber erwarten, dass ein zweites, leistungsgleiches BHKW- Modul zur Grundlastdeckung später nachgerüstet werden kann. Die dafür benötigten Gas- und Stromanschlüsse sind bereits installiert.
Auch in den Heizzentralen im Bauabschnitt zwei und drei wird vorerst je ein BHKW-Modul der KraftWerK installiert, das später um ein weiteres Aggregat ergänzt werden kann. In den beiden Gebäuden mit etwa 170 beziehungsweise 190 Wohnungen werden die mit dem Mephisto G18 konzeptgleichen Module Mephisto G34 eingesetzt, die eine elektrische Leistung von 34 kW und eine thermische von 80 kW haben. Die Spitzenlast wird je ein l 000 kW-Brennwertgaskessel von Remeha decken. Innovativ ist auch die Brauchwasserbereitstellung, bei der auf zusätzliche Speicher verzichtet wird. Dazu wird nach dem Prinzip des Durchlauferhitzers Frischwasser in einem Plattenwärmetauscher direkt mit dem Heizungswasser erwärmt, das der Kessel, das BHKW oder bei Bedarf der Wärmespeicher liefern. Dies spart nicht nur Energie, sondern vermeidet auch Hygieneprobleme.
 Neben der optimalen technischen Ausführung ist für den wirtschaftlichen Erfolg des KWK-Konzepts mit entscheidend, dass der Contractor auch als Netzbetreiber fungiert. So wurden in jedem der Wohnblöcke kellerverlegte Niederspannungs- Starkstromleitungen installiert, über die die Mieter versorgt werden. Dabei bezieht die Berliner Energieagentur den Zusatz- und Reservestrom in jedem Gebäude über nur einen Hausanschluss.
 Rund 100 der 105 Mieter im ersten Bauabschnitt hat der Energiedienstleister als Stromkunden gewinnen können, wozu die Mieteraufklärung der Energieberatung Prenzlauer Berg beigetragen hat. Die Berliner Energieagentur hofft aber, die Stromversorgung ganz abwickeln zu können und bietet den Stromlieferanten der restlichen Kunden eine Beistellungsvereinbarung an. Den Wechsel zum hauseigenen Stromversorger erleichtern die angebotenen Preiskonditionen: Dem Kunden wird langfristig ein Strompreis garantiert, der fünf Prozent unter dem Netto-Arbeitspreis des Bewag-Classic-Tarifs liegt - zuzüglich Strom- und Mehrwertsteuer. Auch der monatliche Brutto-Wärmepreis - inklusive Warmwasserbereitstellung - von knapp 1,30 DM/m² liegt unter dem Durchschnitt Berliner Haushalte.
 Dabei zahlt der Contractor die Gesamtinvestitionen von rund 1,4 Mio. DM (wovon nur ein geringer Teil für die Anschaffung der BHKW-Module benötigt wird) aus eigener Tasche und spart so dem in Geldnöten steckenden Berliner Senat etwa 500 000 DM an Fördermitteln, die der Hausbesitzer für die Heizungsmodernisierung hätte beanspruchen können. Dass die KWK-Anlage im Vergleich zu einer konventionellen Heizung und Stromquelle auch noch rund 40 Prozent des CO2-Ausstoßes vermeidet, macht die Bremer Höhe zu einem Modellfall nicht nur für Berlin.

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